Am Ende steht immer ein Haus

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Steine schleppen war gestern. Heute unterstützen zahlreiche Maschinen die Maurer bei ihrer Arbeit. Körperlich anstrengend und manchmal schmutzig ist die Tätigkeit zwar immer noch. Aber: „Mehr als 25 Kilogramm muss heute normalerweise kein Maurer mehr von Hand heben,“ sagt Andreas Desch, Geschäftsführer der SCHULTHEISS Hoch- und Tiefbau GmbH. „Man ist immer an der frischen Luft und sieht am Abend, was man gemacht hat“, beschreibt der Bauingenieur die Vorteile des Berufs. Oder, wie es das Deutsche Baugewerbe beschreibt: „Eines ist sicher: Am Ende steht ein Haus“.

Das Fürther Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der SCHULTHEISS Wohnbau AG. Mit über 100 Mitarbeitern übernimmt die 2005 gegründete GmbH den Rohbau in Massivbauweise einschließlich Erd-, Kanal- und Verbauarbeiten für die Muttergesellschaft – vom Doppelhaus bis zur Wohnanlage mit weit über 100 Einheiten. Für externe Bauherren baut das Unternehmen auch schlüsselfertige Einfamilienhäuser oder Industriegebäude. Rund 250 Wohneinheiten stellt der Betrieb jedes Jahr fertig. Außerdem bilden die Fürther zwischen fünf und acht Azubis zum Maurer oder Beton- und Stahlbauer sowie zwei duale Studenten aus. Dafür leistet sich das Unternehmen sogar extra einen Ausbildungsbetreuer.

„Die Grundeinstellung der Bewerber zum Beruf muss passen“, sagt Andreas Desch. Grundsätzlich lädt der Bauingenieur alle Bewerber zu einem Gespräch und einem zweiwöchigen Praktikum ein. „Auch Interessenten ohne Abschluss oder mit nicht so guten schulischen Leistungen bekommen eine Chance“, sagt der Geschäftsführer. Die Grundrechenarten sollten die angehenden Azubis allerdings schon beherrschen. Beim Probearbeiten zeigt sich dann schnell, wer die körperliche Tätigkeit durchhält und Freude an der Arbeit hat.

Mehr als Stein auf Stein

Maurer sind die echten Allrounder auf der Baustelle. In der dreijährigen Ausbildung, die auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden kann, lernen die Maurer-Azubis deshalb alle Tätigkeiten, die auf einer Baustelle anfallen – neben Mauern auch Betonbau, also Schalen und Betonieren, Trockenbau, Verputzen, Fliesenlegen und Tiefbauarbeiten wie Kanalbau oder Pflastern. Der Umgang mit Maschinen wie Kreissäge, Stemmhammer, Winkelschleifer oder Rüttelplatten gehört ebenso zur Ausbildung wie das Anfertigen von Konstruktionszeichnungen und die Umsetzung von Bauausführungsplänen.

In der Berufschule, die im Blockunterricht in Nürnberg (1. und 2. Lehrjahr) sowie Lauf (3. Lehrjahr) stattfindet, lernen die Maurer außerdem unter anderem Baustoffkunde, Fachrechnen, Statik, energetische Sanierung und Bauphysik. Dazu kommen rund 32 Wochen überbetriebliche Ausbildung bei der Handwerkskammer. Hier bekommen die Azubis die Grundlagen beigebracht, die in der Praxis nur noch schwierig zu vermitteln sind, wie das Mauern mit kleinformatigen Steinen oder von Stürzen. „Das ist aber auch Teil der praktischen Prüfung“, weiß Desch.

Bestbezahlte Azubis

Maurer sind übrigens die bestbezahlten Azubis: Die Vergütung während der Lehre beträgt zwischen 850 und knapp 1500 Euro. Auch als Facharbeiter verdienen Maurer gutes Geld: Rund 3000 Euro beträgt der Bruttolohn im Monat. „Dazu kommen noch leistungsbezogene Prämien, die bei uns schon einmal bis zu einem Monatsgehalt im Jahr ausmachen können“, so der Geschäftsführer. „Bei uns wird den Auszubildenden außerdem die Arbeitskleidung gestellt und regelmäßig von der Firma gewaschen“, sagt Desch. Außerdem bekommen die Mitarbeiter die Grundausstattung an Werkzeugen, kostenlose Getränke auf der Baustelle sowie Fahrtgeld für den Weg zum Einsatzort.

Dass Maurer im Winter ausgestellt werden gibt es heute übrigens kaum noch. Ein Jahresarbeitszeit-Konto, das im Sommer angespart werden kann, gleicht gegebenenfalls das schlechte Wetter im Winter aus. Dazu gibt es sogar noch 2,50 Euro pro Stunde obendrauf.

Gesuchte Fachkräfte

Als ausgelernte Facharbeiter finden sie Beschäftigung in der Baubranche aber auch als Betriebshandwerker in der Industrie, im Facility-Management sowie in der Immobilienwirtschaft. Außerdem steht ihnen eine Vielzahl an Weiterbildungen zur Verfügung, zum Beispiel als Vorarbeiter, Bauleiter, Polier, Maschinist, Bagger- oder Kranführer sowie zum Meister und Bautechniker. Aktuell müssen sich Maurer über Beschäftigung übrigens keine Gedanken machen: Die Baubranche boomt – Maurer sind deshalb „gesucht ohne Ende“. Und laut Aussage von Experten wird dies – vor allem bei weiterhin niedrigen Zinsen – auch noch lange so bleiben.

Text: Klaus Leonhard (Azubi-Beilage der Nürnberger Nachrichten vom Juni 2020)